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Erziehung nach Ausschwitz: Antisemitismus in Deutschland - Nahostkonflikt II/1

Aktualisiert: vor 2 Tagen


Tagtäglich berichten die Medien über den Krieg im Nahen Osten, über den brutalen Angriff de Hamas, vor allem mit der Entführung zahlreicher Geiseln und Israels massive Vergeltungsschläge durch die Bombardierung des Gaza Streifen, über das Leid und die Angst der Menschen auf beiden Seiten. Eine kleine Auswahl der neuesten Artikel auf FANZNET vom 2. u. 3. November 2023, alle abgerufen am 3. November 2023 um 09:15 Uhr

Der Krieg hat auch Deutschland erreicht Juden müssen gerade jetzt Angst haben vor Angriffen durch

fanatische antisemitische Demonstrationen und Gewalttaten wie der versuchte Angriff auf eine Synagoge in Berlin, Davidsterne werden an Hauswänden geschmiert., israelische Flaggen werden angerissen usw. (siehe Hassparolen, verbrannte Israelflaggen, Anschläge, auf. Faznet.de vom10.10.2023, 2 Tage nach dem Überfall. Dazu Bundeskanzler Scholz: "Es ist ganz klar, dass wir nicht hinnehmen werden und niemals hinnehmen werden, wenn gegen jüdische Einrichtungen Anschläge verübt werden". Leider ist das nicht unbedingt neu. (Vgl. auch: Juden leben in Alarmbereitschaft)


So zeigen Ergebnisse sozialwissenschaftlichen Forschungen antisemitischen Einstellungen seien nicht nur die rechten Szene zu finden, sondern auch in der Mitte unserer Gesellschaft. Laut einer Erhebung von 2004 stießen die Forscher auf Aussagen wie "Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat" (44%), 68 % der befragten Personen seien sogar der Meinung Israel für einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser. Allerdings sanken die Zahlen 2011 auf 34 % bzw. 57 %, 2016 auf 31 % bzw. 40. (Vgl.: Beyer, H., 2017, "Zur Verbreitung des Antisemitismus in Deutschland, bpb, abgerufen am 3. November 2023 um 10: 45 Uhr) .

Ich selbst bin in der Familie meines Onkels, gut katholisch, in den 90iger Jahren des letzten Jahrhunderts auf mit ähnlichen Einstellungen gestoßen.


Deutschland hat sich lange schwer getan sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. (Vgl. dazu Ralph Giordanos Buch "Die Zweite Schuld oder Von der Last ein Deutscher zu sein"

Während während ihres Besuchs in Israel im Jahr 2021 sagte sie : "Deutschland ist nicht neutral, wenn es um die Fragen der Sicherheit Israels geht, sondern die Sicherheit Israels ist Teil unserer Staatsräson". (Merkel: Sicherheit Israels ist deutsche Staatsräson, ntv v. 10.10.21, abgerufen am 3. November 2021).

Bereits 2010 Bundeskanzlerin Merkelk ihren Rede vor der Knesset: "Die Shoah erfüllt uns Deutsche mit Scham. Ich verneige mich vor den Opfern. Ich verneige mich vor den Überlebenden und vor all denen, die ihnen geholfen haben, dass sie überleben konnten." Und weiter betonte sie als Bundeskanzlerin sei sie ""besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet". Diese sei für sie "niemals verhandelbar". (Zit.: Merkel, A., 2010, "Ich verneige mich vor den Opfern der Shoah" in: SZ, v. 17.Mai 2010,

Am 2. November äußerte sich Vize-Kanzler Robert Habeck zu Israel, der Hamas und dem zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und fand deutliche Worte. Er zitierte den Satz Israel "Sicherheit ist deutsche Staatsräson" und fürchte, dass er zur leeren Formel werden könnte, was nicht sein dürfe. Er verweist auf die historische Verantwortung durch den Holocaust. Nun sei die Angst zurück. Er lobte auch die deutsche Sektion "Fridays for Future" , deren Vertreterin Luisa Neubauer sich deutlich von den Äußerung von Greta Thunberg distanzierte (Vgl. Bubrowski, H., 2023, Die Kanzlerrede des Vizekanzlers. Die Rede fand große Beachtung. Manche Kommentatoren fragen sich, ob nicht Bundeskanzler Scholz diese Rede hätten halten müssen.(Vgl. Habecks Appell an Linke und Muslime: Eine Rede, die der Kanzler vermissen li; auch Breite Zustimmung für Habecks Rede.


Zum Eingangs zitierten Satz von Theodor Adorno fand ich auf FAZNET einen Artikel mit dem Titel Das Handwerk des Tötens von Sandra Kegel über den israelischen Schriftsteller Yashai Sarid und seinem neuen Roman "Siegerin". Er handelt davon, wie die Hauptfigur israelische Soldaten das Töten beibringe. Sie fühle sich von Monstern angezogen und verspüre ein "fantastisches Hochgefühl". Einem ähnliches Thema behandelt sein vorheriger Roman "Monster". Das Monster sei "ein vielköpfiges, denn es bezieht sich sowohl auf die Erinnerung an ein Menschheitsverbrechen, die jeden, der damit zu tun hat, beschädigt, wie auch auf das Erinnerte selbst, die Schoa.

Das Interview, das Ursula Scheer mit Yishai Sarid aus dem Jahr 2021führte, mit dem Titel Wie erinnern wir an den Holocaust? Auf die Frage, ob deutsche Schülerinnen ebenso wie iraelische Schülerinnen nach Auschwitz reisten, sagte Ursula Scheer, dass viele das täten, das aber eben nicht verpflichtend, auch wegen den muslimischen Migranten. "Aber was ist denn der Unterschied zwischen denen und anderen Schülern? Sie tragen persönlich genauso wenig Schuld wie die übrigen, aber müssen genauso über die Vergangenheit unterrichtet werden. Deutschland trägt eine kollektive Verantwortung. Dass die Erinnerung an den Holocaust verblassen könnte, ist eine gefährliche Entwicklung", antwortet Yishai Sarid. Und weiter: "Zu hören, dass der Nazismus in Deutschland wieder eine stärker werdende Kraft ist, finde ich unbegreiflich und schockierend. Ich kenne Deutschland nicht gut, aber von außen betrachtet fragt man sich wirklich, ob die Regierung und die Gesellschaft entschieden genug dagegen vorgehen".


Erinnerung, das ist das Stichwort. Adornos Zitat findet sich in seiner berühmten Buch Erziehung nach Auschwitz. Und weiter schreibt Adorno: "Daß man aber die Forderung, und was sie an Fragen aufwirft, so wenig sich bewußt macht, zeigt, daß das Ungeheuerliche nicht in die Menschen eingedrungen ist, Symptom dessen, daß die Möglichkeit der Wiederholung, was den Bewußtseins- und Unbewußtseinsstand der Menschen anlangt, fortbesteht. Jede Debatte über Erziehungsideale ist nichtig und gleichgültig diesem einen gegenüber, daß Auschwitz nicht sich wiederhole. Es war die Barbarei, gegen die alle Erziehung geht.

Für ihn bedeute Erziehung nach Ausschwitz ein zweifaches; a) Erziehung in der Kindheit, und b) ein allgemeine Aufklärung, "die ein geistiges, kulturelles und gesellschaftliches Klima schafft, das eine Wiederholung nicht zuläßt, ein Klima also, in dem die Motive, die zu dem Grauen geführt haben, einigermaßen bewußt werden".

Ich denke Adornos Äußerungen sind gerade in der heutigen Zeit wichtiger den je. (Vgl. dazu auch Brumlik, M., 2008," Dass Auschwitz sich nie wiederhole".) Was meine ehemalige Schule betrifft, reisten jedes Jahr Schülerinnen der Fachschule der Sozialpädagogik in Kooperation mit der Fachhochschule Esslingen nach Auschwitz. In gemeinsamen Projekten bearbeiten sie den Nationalsozialismus und den Holocaust und erlebten gleichzeitig unserer Vergangenheit. Erlebte Erinnerung! Nachtrag:

Über die Hintergründe des Nahost-Konflikts zeigt Netflix die spannende Serie "Fauda". [Beitrag folgt]


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