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"You better not never tell nobody but God. It'd kill your mammy." Buch & Film Reviews II

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Dear God,

I am fourteen years old. I have always been a good girl. Maybe you can give me a sign letting me know what is happening to me.

Mit diesen Worten beginnt A Color Purple, das Meisterwerk von Alice Walker aus dem Jahr 1982. Für diesen Roman erhielt sie als erste weibliche afro-amerikanische Schriftstellerin den Pulitzer-Preis und den National Book Award. Alice Walker wurde am 8. Februar 2024 80 Jahre alt. Die FAZ hat ihr gratuliert mit einem Beitrag über sie, und anlässlich einer neuen musikalischen Adaption.

Seit Jahren beschäftige ich mit Black American Literature. Neben den großen Autoren wie Richard Wright (Native Son), Ralph Ellison (Invisible Man) und James Baldwin (Go Tell it on the Mountain; If Beal Street could Talk) las die Werke von Toni Morisson, Maya Angelou, und eben Alice Walker (A Color Purple.

Meine Vorliebe für afro-amerikanische Literatur wurde geweckt, als ich 1981 an meiner Zulassungsarbeit über Martin Luther King mit Titel The Bible or the Gun“ arbeitete. Es stammt aus dem Theaterstück „Blues for Mr Charlie“ von James Baldwin. Damit sprach James Baldwin das zentrale Thema der Bürgerrechtsbewegung in den 60 iger Jahren an - Non-Violence or Black Power. Dabei fand ich wichtig die Lebenswirklichkeit der African-Americans nicht nur anhand der Theorien der großen Philosophen und politischen Vordenker - von Booker T. Washington, W.E.B. Dubois über M.L. King bis zu Malcom X, Stokeley Carmichael und der Black Powerbewegung, sondern auch die Kulturgeschichte als Basis für die Anerkennung der eigenen Wurzeln, der Entwicklung einer eigenen Identität. Spirituals, Gospels sowie Blues und Jazz [siehe Sonny's Blues von James Baldwin], und natürlich der dir Literatur [s. Harriet Beacher Stowe's Onkel Toms Hütte, umstrittenes Werk zugegen. (1).


Zu den großen Autoren gehört auch Alice Walkers, die mit The Color Purple ein großartigen Werk über die Lebenswirklichkeit junger schwarzer Frauen während der Jim-Crow-Era schilderte. Celie, die Hauptfigur, schreibt in ihren Briefen an Gott über ihr Leben. Sie wird z.B. im Alter von 14 Jahren von ihrem Vater (Stiefvater) Alphonso vergewaltigt. „First he put his thing up against my hip and sort to wiggle around…. Then he push his thing inside my pussy“. Sie bekommt mit ihm 2 Kinder, die er ihr wegnimmt, und sie anschließend tötet, wie sie vermutet.

Später wird zur Heirat mit Mr______ gezwungen, der Celie unterdrückt und missbraucht. Ihre Befreiung gelingt ihr mit Hilfe der Sängerin Shug Avery - einer Blues-Sängerin - , der Geliebte ihres Mannes, der Bild sie als junge Ehefrau im Haus ihres Ehemannes sah. .        

Die Beschreibung der brutalen Wirklichkeit Gewalt der Männer aus der Sicht eine Frau  mache „Die Farbe Lila“ so einflussreich und bedeutend in der Geschichte der schwarzamerikanischen Literatur“, u.a. weil die Hauptfigur Celie ihre Briefe an Gott im typischen Black Englisch, die Sprachen der Schwarzen, schrieb. (Verena Lueken). Für sie ist The Color Purple  ein literarisches Pionierwerk im Kanon des amerikanischen Literatur des 20. Jahrhundert. Mit dieser Adaption sei Regisseur Blitz Bazawule es gelungen "to bring something new to its sweeping story, adding elaborate fantasy sequences that redefine the characters and the feel",  so Mela Ryzik.


Steven Spielberg führte übrigens Regie in der ersten ersten Filmversion von The Color Purple mit der jungen Whoopi Goldberg als Celie. Vergleiche man allerdings das Original mit der modernen Musical Version, sei erkennbar, dass Spielberg die Tiefe des Buches nicht begriffen habe. Er mache aus einem Bildungsroman ein Rührstück, so Verena Lueken.

Offensichtlich habe Spielberg seine ursprüngliche Meinung seine  Version sei "the only film version of the story" revidiert. Über die Musical Version sagte es, dass diese Version ihn begeisterte - "he was thrilled with the stage musical". ."

Mich hat der Film fasziniert, nicht nur wegen der eingespielten Traum-Sequenzen, die die Zuschauer Einblicke in Celies Psyche gewährten. Ihre innere Monologe über ihre Sehnsüchte und Träume gaben ihr die Kraft den Widrigkeiten des Leben als Frau und "Sklavin" schwarzer Männer zu akzeptieren und diese letztlich zu transzendieren. "Here I am, and I am beautiful". Begleitet wurde sie durch ihre Schwester Nettie, die immer an sie glaubte. Immer wieder sagte sie zu Celie, sie müsse stark sein und sich wehren. Später wird es Sofie sein, die durch ihre Unbeugsamkeit und Rebellion, für die sie sogar ins Gefängnis, faszinierte. Ebenso wächst die unscheinbare Squeak über sich hinaus. Sie ist auch die Sofie aus Gefängnis holte.

Nach dem ersten Schwellenübertritt in die fremde Welt der Ehre mit Mr_____ und der Umzug in sein Haus, folgte später der zweite Schwellenübergang, als sie zusammen mit Squeak, die als Zeichen ihrer neuen Identität Harpo ihren Namen verriet und sich nun Mary Agnes nennt, als sie sich Alphonso endgültig trennet, und mit Shug und Sqeeak nach Memphis zieht.


Wie ein Spiegel, in den wir blicken, der uns die Stellen zeigt, die wir eigentlich nicht sehen, spiegeln die Figuren in Celies Umfeld die nicht gesehene Seiten, die Celie in sich entdecken muss (vgl. The Undiscovered Country). Und wie das eigene Spiegelbild uns beobachtet und zu uns spricht, ist Celie und ihre Entwicklung auch Spiegelbild für ihre Umwelt. Das wird deutlich an der Veränderung Alphonsos, dem es schließlich gelingt Nettie und ihre Familie zurückzuholen.

Alles andere als kitschig und sentimental empfand ich das Ende. Celie kann ihren Weg zu sich selbst nur vollenden, wenn sie Memphis und Shug verlässt und nach Hause zurück kehrt. Die letzte Szene zeigt Celie an ihrem Fest im Kreis ihrer Familie und Freunde. Als Nettie mit ihrer Familie dazu stieß, mit Celies Kindern und Enkeln, hat Celie ihre Reise der Individuation beendet. Ihre Bitte in ihrem ersten Brief an Gott, "maybe you can give me a sign letting me know what is happening to me, wurde am Ende beantwortet. Sie ist bei sich angekommen. Man sieht sie mit ihrer Familie in in einen Runde, einen Kreis, der symbolisch Ganzheit symbolisiert. Celie ist endlich "whole" (ganz), und damit "holy". Beide Adjektive haben etymologisch die selbe Wurzel.


Konsequent und logisch empfand ich die Inszenierung von Alice Walkers Briefroman als Musical, obwohl ich anfangs durchaus skeptisch war. Nach den ersten 10 Minuten wurde ich vom Gegenteil belehrt. (2) In der Geschichte von Black Amerika spielt Musik eine wichtige Rolle für die Identität der Black Community und der Entwicklung einer Black Consciousness - von den Spirituals, Gospel über Blues und Jazz. (dazu anderer Stelle mehr). Ich glaube nicht umsonst hat Alice Walter Shug Avery als Bluessängerin konzipiert. Die Musik im Filme komponierte Quincy Jones, einer der großen des Jazz. Shugs Songs erinnern an beiden Jazzsängerinnen Betty Smith und Billy Holiday. ______________________________________________________________________________

Weitere Info zu Alice Walker





__________________________________________________________________________________ Fußnote: 1) Ursprünglich wurde Uncle Tom's Cabin durch aus positiv aufgenommen. Es war zenttal für das Abolutionist Movement. "The sexual mistreatment of enslaved women was a staple of abolitionist literature, and Stowe depicted it with particular force." Stowes Werk beeinflusste sowohl revolutionäre Bewegungen auf der ganzen Welt als counter narratives, wie z.B. Filmemachen D.W. Griffiths Birtth of a Nation . Auch Gone with the Wind bediente die romantische Vorstellung des Südens als einem dankbaren Land "of happy slaves" . Annette Gordon-Reed, “Uncle Tom’s Cabin” and the Art of Persuasion, 2011. Im 20. Jahrhundert änderte sich die Sicht auf den Roman. Im Jahr 1949 kritisierte James Baldwin in seinem Essay Everybody's Protest Novel die Darstellung Uncle Tom als eine Christus-Figur. Insbesondere wandte er sich gegen die Auffassung "blacks be passive in the face of white violence".


2) Über Black Consciousness, vgl. Lawrence W. LevineBlack Culture and Black Consciousness: Afro-American Folk Thought from Slavery to Freedom; Angela Davis, Black Consciousness Movement - Schwarze Identität. _________________________________________________________________________________________________________

Weitere Werke von Alice Walker

Alice Walker, The Temple of my Familiar, New York, 1990


Alice Walker, In Search of our Mothers" Gardens, Womanist Prose, 1983, Orlando

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Weiterführende Literatur. Martin, M., 2008) Why African-Americans Loathe 'Uncle Tom', Adena Spingarn, 2011, The Root: The Troubling Nuances Of 'Uncle Tom', über Harriet Beecher Stowe.


Plessner, M., 1973, Onkel Tom verbrennt seine Hütte. Die literarische Revolution der schwarzen Amerikaner, Frankfurt


Plessner, M., 1979, Ich bin der dunkle Brud. Die Literatur der schwarzen Amerikaner. Von den Spirituals bis zu James Baldwin, Frankfurt


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