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"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apg 5,29) Zum Ukraine Krieg II

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Wer fühlt sich nun von wem bedroht? Ich kann das nicht beurteilen. Allerdings sehe ich momentan keine Chance auf eine friedliche Lösung. (siehe Beitrag v. 11.09.2023) Nach dem Tag des Überfalls der Russlands auf die Ukraine hörte man immer wieder das Narrativ Deutschland habe sich zu lange von Russland und Putin anhängig gemacht, offensichtlich aus wirtschaftlichen Interessen. Eugen Drewermann, der seit Jahren gegen den Kapitalismus, der letztlich der Grund für die Kriege seien, macht die USA und die EU verantwortlich die Eskalation.

"Das Töten von Menschen ist weder Pflicht noch ein Recht" In Gen 4 Testament finden wir den Bericht über den ersten Mord. Kain tötet seinen Bruder Abel, weil Gott sein Opfer nicht erhört (Gen 4.) Die Geschichte der Menschheit beginnt somit mit einem Gewaltakt. Drewermann legt diese Geschichte anhand des Films an John Steinbecks, verfilmt von Elia Kazan East of Eden mit James Dean, aus vgl. S15) Steinbeck beschreibt in seinem Roman, wir seien hinein-geschleudert "in eine Welt, in der jeder auf seine Weise dringlich sucht nach etwas wie Zuwendung und Halt und Liebe und Gemochtsein ohne Bedingungen" Diese Geschichte zeige deutlich, dass "Konkurrenz und Tod die Menschen, die darauf hoffen, miteinander sein zu dürfen, in aufgestauter Wut schließlich zu Mördern wider Willen" machen. (16f) Menschen seien demnach nicht vorn Grund auf böse.

Diese These, ein zentrales Argument in den Textauslegungen biblische Geschichte Drewermann die Geschichte der Geburt Jesu. Es ist kein historischer Bericht, sondern eine mythologische Erzählung, die ein "....therapeutisches Verfahren, inmitten einer Welt von Gewalt und Angst die menschliche Seele so zu berühren, dass der Albtraum von Bedrohung und Rache aus den Nächten und den Tagen weicht", sei. (S. 14)


Verpasste Chancen - der Fall der Mauer (1989)

Nach dem Fall der Mauer bestand nach Drewermann die einmalige Chance zur Abrüstung. Eine Auflösung der Nato wäre im Bereich des Möglichen gewesen die Nato aufzulösen um "vom Ural bis zum Atlantik in eine entwaffnete demilitarisierte Zone" zu schaffen. Seit damals bis heute (2015!) seien jedes Jahr 35 Milliarden Euro pro Jahr für Rüstung und Waffen ausgegeben worden. Diese Geld hätte besser investiert werden können "in die Aufgaben zur Vermeidung von Kriege, zur Vermeidung von Hungerkatastrophen, zur Vermeidung von sozialem Elend, z.B. durch die Migration über das Mittelmeer", schreibt. Drewermann. (S. 34) (Fußnote 1)


Verpasste Chancen - Das Attentat auf das WCT


Am 11.9.2001 ereignete sich der schlimmste Anschlag auf das Territorium der USA. Terroristen steuerten zwei gekaperte Flugzeuge in das World Trade Center (Symbol des entfesselten Kapitalismus) und in das Gebäude des Pentagon (die Zentrale der militärische Macht der USA). Es herrschte Trauer, Verzweiflung und Entsetzen angesichts der Zerstörung und den ca. 3000 Menschen, die starben. Ich erinnere mich noch genau, wie aufgewühlt und wütend ich über diesen feigen Anschlag war. Nach ein paar Tagen Abstand wandelte sich meine Wut in die Hoffnung, die USA mögen doch bitte keinen unüberlegten Rachefeldzug beginnen. Doch es kam wie es kommen musste. Präsident Bushs WAR ON TERROR, die Verabschiedung des PATRIOT ACT mit massiven Einschränkungen der Freiheit, die Praxis der Folter (Rendition) in Guantanmo und Abu Ghraib etc. waren die Folgen. Die USA und ihre Verbündeten führten einen ungerechten Krieg gegen den Irak und gegen die Taliban in Afghanistan, die den Al Qaida Terroristen Unterschlupf gewährten. Präsident Barak Obama, der zudem den Drohnenkrieg gegen Afghanistan massiv verschärfte, befahl die Exekution Osama bin Ladens. (Fußnote 2) Wie viele Menschenleben haben diese Kriege gekostet, mal abgesehen von Milliarden von Dollar für Waffen und Kriegsmaterial. [NB: Die Folgen sehen wir noch heute]. (Fußnote 3)

Der Philosoph Claus Eurich sprach seinem Vortrag im Jahr 2008 zum Thema Spiritualität und Ethik u.a. über die Ereignissen rund um den 9. September 2001. Er sagte: Ein Verzicht auf Gewalt und Vergeltung hätte die Weltgeschichte verändern können.

Kann eine Ethik des Nicht-Verletzens den Krieg Russlands gegen die Ukraine beenden?

Oder anders formuliert, kann man mit der Bergpredigt Politik machen?, wie Eugen Drewermann seit Jahren postuliert? (vgl. Eugen Drewermann, Die Bergpredigt - ein Leitfaden für den Frieden; vgl. auch Drewemann am 27.09.2022, Die Bergpredigt - eine Leitfaden. Siehe auch Claus Eurichs Beitrag Vernunft und Liebe in Zeiten des Krieges vom 19. Februar 2023. Siehe auch Franz Alt: Frieden ist möglich, 1983)

Kann eine Neubewertung des Scheiterns und der Ohnmacht, wie es Claus Eurich 2008 formulierte, ein Ausweg aus dem Dilemma zeigen? Für ihn ist die Akzeptanz der eigenen Ohnmacht und das Scheitern der Weg überhaupt, dass etwas Neues entstehen kann. Das gehe nur über die Kontemplation. In seinem Beitrag Vernunft und Liebe in Zeiten des Krieges vom 19. Februar 2023 schreibt Claus Eurich: "Rätselhaft und wie aus einer anderen Welt ruht erschüttert und verstummend der Appell an die Feindesliebe." Jedes Land habe ein Recht auf Selbstverteidigung. Doch: man kann - sogar MUSS mit der Bergpredigt Politik machen. Friedfertigkeit, Mitmenschlichkeit, Feindesliebe, Hinnahmebereitschaft und unentwegtes Bemühen umeinander stehen im Zentrum. Sicher, eine fast übermenschlich klingende Herausforderung. Und doch alternativlos für eine gelingende Entwicklung der Menschheit. Gerade wenn die Gewalt überbordet, muss das der Maßstab sein, auch wenn wir immer wieder die damit verbundenen Ansprüche verfehlen. Das beharrliche Ringen darum ist der einzige Ausweg aus der Gewaltspirale. Und solches fordert mehr Mut und Gradlinigkeit als jeder bellizistische Aufschrei. Einer Friedensreligion wird man nicht gerecht, wenn man ihre Essenz opportunistisch negiert. Dann möge man besser die Heiligen Schriften der Scheinheiligen an einem unbekannten Ort verschließen. Sie sind zu kostbar, um sie in Sonntagsreden bzw. bei der Ablegung des Amtseides zu verhöhnen."

Putin bedroht uns


Im Jahre 2015 Deutschland an vierter Stelle bei den Waffenexporten weltweit, so Drewermann. (Fußnote ? Merkel schicke Panzer nach Saud-Arabien, das einen Krieg gegen Yemen führe und und die IS aufrüste. Verteidigungsministerin von der Leyen stationierte Panzer im Baltikum und in der Ukraine an der Grenze zur Russland, was heiße, Putin bedrohe uns. Dabei würde Russland gerade mal ein Zehntel für Waffen "verplempern", im Gegensatz zu den USA. (vgl.37) "Aber die Gefahr, sagen uns die Qualitätsmedien, geht aus von Putin, nicht von unseren Freunden, den USA, die ihre Hegemonialansprüche über den ganzen Globus legen und deren Ost-Ausdehnung der Nato die meisten derzeitigen Probleme aller erst geschaffen hat. (S. 38) Die Nato sitze bereits auf dem Balkan und im Baltikum, stand hinter dem Krieg in Georgien, stationiere Raketen in Polen und Tschechien und erwarte, "dass Russland seiner Einkreisung, Auflösung und Entmachtung tatenlos zusieht." (S. 38).

Historikerin Gabrielle Krone-Schmalz mahnte ebenfalls vor den Folgen einer Konfrontation mit Russland. Ihr hieß "Russland verstehen", erschienen 2015 darlegt. (Fußnote (4).


Das Resultat sehen wir jetzt seit dem 14. Februar 2021, als Russland über die Ukraine überfiel. Und wieviel Geld wurde bisher auf beiden Seiten fürs Töten verschwendet? Werden die Waffenlieferungen des Westen auf Wunsch der Ukraine den Krieg in absehbarer Zeit beenden können? Ich glaube nicht wirklich. Aus welchen Gründen auch immer die Putin diesen Krieg begonnen, dieser Krieg ist schrecklich - ein Verstoß gegen die Menschlichkeit. Putin lässt Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten bombardieren, sein Armee macht ganze Dörfer Platt Kinder werden gefangen genommen und verschleppt, Menschen werden gefoltert und misshandelt. Natürlich muss man Putins diesen Krieg verurteilen. Allerdings darf man fragen, wie es überhaupt soweit kommen konnte (s. oben). Aber welche Alternativen haben wir? Markus Lanz und Richard David Precht meinten es gebe nur zwei Alternativen: die Ukraine mit allen uns zur Verfügung stehen Waffen auszustatten, dass sie den Krieg gewännen; oder b) die Ukraine zu Verhandlungen zu zwingen. (Fußnote 5)

Der Weg zum Frieden?


Wie kann jemals Frieden erreichen werden? Nur, wenn man in der Politik, wie auch im Privatleben, den Konflikt um Gut und Böse nicht durch das Argument moralisch im Recht zu sein, sondern "im wechselseitigen verstehen", schrieb Drewermann im Jahre 2015 (S.39), und er fährt fort, es könne nur gelingen, nur wenn wir die Angst überwinden, in der Nachfolge Jesu. Gandhi zitierend verweist Drewermann auf das Prinzip des Satyagraha, das Prinzip des Nicht-Verletzens. Das gehe jedoch nur, wenn man die Perspektive des anderen einnehme. (S. 51; 53). Ähnliches sagte Martin Wehrle (s. Beitrag v. 11.09.23. in einem seiner Videos.

Kriege werden immer noch mit moralischen Ansprüchen geführt (siehe die Debatte um Lieferung um die Marschflugkörper Taurus im September 2023), wie das Beispiel der einst pazifistischen Partei der Grünen zeige. So sei es notwendig gewesen den Diktator Gaddafi zu stürzen. [Fußnote 6]

Die Ukraine muss siegen?


Im September 202 warnte der Verteidigungsminister Oleksii Reznikov (vgl. Guardian vom 8.September 2023) die westlichen Länder, vor einem vorschnellen Frieden: "Russia does not recognise the existence of Ukraine and the Ukrainian people; its goal is the destruction of Ukrainian statehood and the assimilation of Ukrainians." Er wendet sich an seine Kollegen mit den Worten: "I trust in your virtues and desire to make this world better. Therefore I urge unity, bravery and consolidated action – that is the only way for us to save this world from the catastrophe of a third world war."

Die Ukraine muss siegen? Ob man seinen Worten glauben schenken darf, kann ich nicht beurteilen, aber solche und andere Äußerungen westlicher Regierungschefs und Politiker über einen notwendigen Sieg der Ukraine verstärken meine persönlichen Ängste vor der Gefahr einer nuklearen Eskalation. Was wird Putin nach einer Niederlage tun? Niemand hat im Moment auf die Frage wie der Friede erreicht werden könne, eine Antwort. Aber weiter Waffen zuliefern scheint mit auch keine Lösung zu sein. Auch wenn die Ukraine diesen Krieg gewinnen wird, wird keinen Sieger geben. ____________________________________

Anmerkungen

  1. Siehe Statista bezüglich aktueller Zahlen vom März 2023, abgerufen am 13.09.2023 um 18.20 Uhr.; UNO, Flüchtlingskrise Mittelmeer, abgerufen am 13.09.2023 um 18.30 Uhr. Aktuelle Information v 17.9.2023): Von der Leyen verspricht EU-Hilfe für Lampedusa, Sie stellt eine 10 Puunkte-Plan vor und möchte härter gegen Schleuserbanden vorgegangen, abgerrufen am 18.09.2023 um 15: 30 Uhr.. Montag 18.98.23. Momentan diskutiert Deutschland übe eine Obergrenze für Flüchtlinge. Markus Söder und Friedrich Merz haben eine Obergrenze von 2000 00 pro Jahr vorgeschlagen. Bundesinnenministerin sei dagegen, s. .Faeser gegen Obergrenze für Geflüchtete, abgerufen am 18.09.2023 um 15: 30 Uhr.

  2. Siehe 9/11 und die Folgen, auf bpb, 20212, abgerufen am 21.09.2023 um 10:00 Uhr. Sie auch die Doku der zu 0/11, Welt Surviving 9/11 - Die Überlebenden, abgerufen am 21.09.2023. um 10:10 Uhr.

  3. Liste der Staaten in die Deutschland Waffen liefert, laut Umfrage Statista, abgerufen 22.09.2023 um 11:45 Uhr. Liste der Marktanteile, abgerufen am 22.09.2023 um 12:00 Uhr. Deutschland steht an 5. Stelle der internationalen Waffenexporte.

  4. Vgl. Krone-Schmalz, G. , 2015, Russland verstehen. München. Sie beklagte damals u.a., unsere Medien Tatsachen würden verdrehen und so Meinungen über Putin und Russland beeinflussen. Das ist schade denn nach dem Ende des Kalten Krieges hätten wir in Europa eigentlich die perfekte Gelegenheit gehabt, uns unserem großen östlichen Nachbarn anzunähern. Warum das nicht passiert ist, sehen wir uns später noch an – fest steht, dass die deutschen Medien nicht gerade zur Völkerverständigung beitragen.

  5. Vgl. Podcast: "Oppenheimer", die Atombombe und die Entwicklung neuer Waffen mit KI, Lanz & Precht. Vgl. hierzu den aktuellen Video Post vom September 2023 von Martin Wehrle mit dem Hinweis auf die Aussagen des auch ehemaligen Generalleutnant a.D. Keith Kellog über den Ukraine-Krieg am 23. März 2023. Die Ukraine werde benutzt, "um Russland ohne Verluste für die USA zu besiegen. Dieses Vorgehen sei der "Gipfel der Professionalität", denn: "So können wir uns auf das konzentrieren, was wir gegen unseren Hauptgegner tun sollten, der im Moment China ist."......Aktuell: "Wie man Putin die Tatwaffe aus der Hand nimmt , Kommentar von Konrad Schuler auf FAZNET.de v. 17.09.2023. Taurus hätten Menschenleben retten können. Beispiel: Die Ukraine soll zwei russische Schiffe mit Marschflugkörper versenkt haben.

  6. Siehe den Artikel über Anton Hofreiter vom 12.September 2023, der einer als einer der ersten Politiker Waffen an die Ukraine zu liefern. Er behauptet durch die Verzögerung der Waffenlieferungen an die Ukraine, aktuell Taurus-Marschflugkörper, würde den Krieg nur verlängern. Und im Interview "Panzer-Töni ist kein schöner Spitzname mit Stefan Willeke. "Sich an­grei­fen las­sen und sich nicht ver­tei­di­gen? Das wä­re nichts für mich. Da­mit tut man auch dem Pa­zi­fis­mus un­recht. Ich war im­mer sehr kri­tisch ge­gen­über mi­li­tä­ri­schen In­ter­ven­tio­nen ein­ge­stellt, aber ich war nie Pa­zi­fist, so Hofreiter.

Literaturliste Alt, F, 1983, Frieden ist möglich. München Drewermann, E., 2015, Warum Krieg? Oder: vom größeren Gehorsam gegen Gott. Eurich, Cl. 2008, Vortrag zu Spiritualität und Ethik, Hospitalhof in Stuttgart, Audiomitschnitt

Eurich, Cl. 2014, Die heilende Kraft des Scheiterns, Petersberg

Eurich, Cl., 2023, Ethos, Ethik und Spiritualität, https://www.interbeing.de/2023/09/07/ethos-spiritualitaet-und-macht, abgerufen am 18.08.2023 um 19:50 Uhr. Krone-Schmalz, G. , 2015, Russland verstehen. München.

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